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18.11.11 / 20:15h
JAZZTAGE 3. Konzert
Wanabni
Hypnotische Klangwelt
Kamilya Jubranvocals, oud
Werner Hasler trumpet , electronics

WANABNI - und wir werden bauen

Während des Zuhörens bleibt man gespannt und wird überrascht durch die Spontanität der Zwei. Mit Wanabni entfaltet sich eine lebendige Musikwelt, komponiert und doch improvisiert, geheimnisvolle Poesie umgarnt von betörendem Klang. Kamilya Jubran und Werner Hasler - ein Duo mit vielen Gesichtern.

Die Palästinenserin Kamilya Jubran und der Berner Werner Hasler experimentieren seit 2002 zwischen arabischer Musik, Jazz und Elektronika. Auf der zweiten gemeinsamen CD «Wanabni» singt Jubran über arabische Vierteltonhöhen (Maqam), Ganztonskalen und Obertonreihen, und Hasler spielt seine Trompete mit vielfältigen Klangtexturen. Die beiden fügen eine Oud-Laute, manipulierte Geräusche-Samples und minimalistisch gehaltene Elektronika hinzu und schaffen eine organische und sehr persönliche Musik.

Zum einen funktioniert diese Musik ähnlich wie die arabische Tarab-Musik: Schritt für Schritt entwickeln Jubran und Hasler im Titelstück «Wanabni» ihr tonales Material und schaffen einen langen, sich allmählich intensivierenden Spannungsbogen. Dann klingt «Wanabni» ganz nach Jazz, wenn Hasler auf der Trompete frei mit dem Gesang von Jubran interagiert. Schliesslich hören wir elektronisch manipuliertes Klangmaterial: Minimalistische Synthesizer-Melodien und manipulierte Oud- und Gesangs-Samples stützen den Track, ohne aber den Spielfluss zu stören.

Kamilya Jubran und Werner Hasler kommunizieren aus dem jeweiligen Kanon ihrer musikalischen Herkunftsgenres heraus. Sie spielen mit diesem Kanon, und sie reizen ihn. Sie brechen aber die Verbindungen nie ganz ab. Ein eindrückliches Langzeit-Projekt.

Als Forschende, die sich damit auseinandersetzen wie etwas klingt, was klingen und anklingen soll, entwerfen die Beiden ein Universum in dem alles möglich scheint: Die Einheit der Klangfarben, die Gegenüberstellung der Kulturen, ein Miteinander der Melodien und Phrasen, oder das behutsame Mäandrieren von Modi und Intonationen.
Ein zeitgenössischer, die jeweilige Herkunft respektierender Weg des Zwiegesprächs. Mit Kamilya Jubran und Werner Hasler haben sich zwei getroffen, die die Reise zu unbekannten Ufern nicht scheuen. Das hat man schon auf ihrer ersten Aufnahme Wameedd (2005 UnitRecords/Abeille Music) hören können. Ueber hundert gemeinsame Auftritte in verschiedenen Teilen der Welt hat nun ihr musikalisches Zusammenspiel weiterentwickelt und geschärft. Gleichzeitig konnten sie in dieser Zeit mehr über die Herkunft des anderen lernen. Das hat ihnen trotz der unterschiedlichen Wurzeln zusätzliche Türen für ihre musikalische Zusammenarbeit geöffnet und sie angeleitet neue Herausforderungen anzugehen. Inspiriert von Reminiszenzen der klassischen arabischen Musik, westlichen improvisierten Musik und bereichert durch die subtile Handhabung von Elektronika, entsteht in der Alchemie des Austausches ein einzigartiger Klang, dessen würdevolle Wirkung sich in der Zeit des Entstehens entfaltet. Wie beim Konstrukt eines Romans, geben uns Kamilya Jubran und Werner Hasler fortschreitenden Einblick in den Handlungsablauf und die Geheimnisse ihres künstlerischen Dialoges sowie dessen Zusammensetzung.

Eine Reise in noch nicht gehörte Klanglichkeit
Die arabischen Gedichte - Texte aus dem Irak, Syrien, Jordanien, Marokko, aber auch Griechenland - werden von der einnehmenden und facettenreichen Stimme Kamilya Jubrans zum Leben erweckt. Sie zeigen uns intensive, berührende Texte der jungen Generation arabischer Männer und Frauen. Ihre gemeinsame Geschichte, ihr gemeinsames Schicksal und ihre gemeinsame Zukunft inspirieren sie zu teils sarkastischen Betrachtungen ihres Alltags: Krieg und Exil, Dunkelheit unEinsamkeit, Schmerz und Hass.

'Kann ich diese blutige Geschichte auslöschen und mir meine eigene Geschichte schreiben?' Fadhil AI Azzawi

aber auch Träume und Hoffnung, der weite Horizont und das Versprechen auf ein anderes Leben: 'Wir bauen dieser Welt ein andere Hauptstadt' Fadhil AI Azzawi