NB'RONIN_band1_2010_72dpi_klein.jpg
10.11.11 / 20:15h
JAZZTAGE 2. Konzert
Nik Bärtsch’s Ronin Llyrìa
Ronin spielt eine Musik, die einer durchgehenden Ästhetik folgt: mit minimalen Mitteln maximale Wirkung zu erzielen.
Nik Bärtschp
Shabclt
Thomy Jordib
Kaspar Rastdr
Andy Pupatoperc

Mit dem 2001 gegründeten Zen-Funk Quintett RONIN arbeitet Nik Bärtsch an seiner 'Ritual Groove Music' weiter. Zusammen mit Thomy Jordi (Bass), Kaspar Rast (Drums), mit Andi Pupato (Perkussion) und neu mit Sha (Bass- und Kontrabassklarinette) spielt der Zürcher Komponist und Pianist eine Musik, die einer durchgehenden Ästhetik folgt: mit minimalen Mitteln maximale Wirkung zu erzielen.
Bei aller Vielfältigkeit ihrer Einflüsse lässt diese Musik stets eine eigene Handschrift erkennen. Zwar haben Elemente aus unterschiedlichsten musikalischen Welten in sie Eingang gefunden – Von Funk über neue Klassik bis zu Klänge der japanischen Ritualmusik –, doch diese Formen werden nicht postmodern nebeneinander gestellt oder zitiert, sondern verschmelzen zu einem neuen Stil. Das Ergebnis ist eine groovende, klanglich und rhythmisch hochdifferenzierte Musik, zusammengesetzt aus wenigen Phrasen und Motiven, die immer wieder neu und abwechslungsreich kombiniert und überlagert werden.
RONIN schafft so eine Ästhetik, die auf allen Ebenen musikalischer Äusserung durchgehalten ist. Komposition, Phrasierung, Klanggestaltung, Musizierhaltung und Stückdramaturgie bilden gemeinsam ein Ganzes, dessen sämtliche Teile aufeinander bezogen sind. (Michel Mettler)
„Llyrìa“ ist das dritte ECM Album von Nik Bärtsch’s Ronin. Es folgt jenen Richtungen, die„Llyrìa“ ist das dritte ECM Album von Nik Bärtsch’s Ronin. Es folgt jenen Richtungen, die bereits auf „Stoa“ (2005) und „Holon“ (2008) eingeschlagen wurden aber entwickelt diese konsequent weiter. Bei der Veröffentlichung von „Holon“, verglich der Komponist und Pianist Bärtsch das gemeinsame Interplay in seiner einzigartigen Gruppe mit einem Schwarm von Fischen, der sich blitzschnell zusammen über ein Korallenriff bewegt. Der Titel seines neuen Albums ist eine weitere Meeresmethapher. Die Llyrìa ist ein kürzlich entdeckter leuchtender Bewohner der Tiefsee, eine Kreatur, so ungewöhnlich, dass die Biologen unsicher sind, wie sie sie einstufen sollen. Doch tief unten im Abgrund, wo der Druck gewaltig ist, gleitet es flink, mit kühler poetischer Anmut. Bärtsch genießt dieses Bild: ein naher Nachbar auf diesem Planeten, über welchen wir so wenig wissen. Kompositionen können sich ebenfalls eigenartig entwickeln, betont er. Mit diesem Bild im Kopf wirft Ronin weiterhin seine Netze in denselben Ozean – um Formen zu finden, die unsere Erwartungen plötzlich unterlaufen oder ihre Veränderungen langsam offenbaren.
Die neue Musik von Ronin vermittelt ein Gefühl der Freiheit, nicht zuletzt durch die periodische Lockerung seiner rituellen Grooves. Im Wort „Llyrìa“ scheint auch „lyrisch“ auf und feine komponierte Übergänge in beinahe allen Stücken eröffnen erfrischende melodische Möglichkeiten. Es bietet sich nun mehr Raum, um sich in Nik Bärtsch’s Kompositionen hineinzubewegen – mehr Raum zum Atmen. Am Beginn der Aufnahme, auf „Modul 48“ und an anderen Stellen, ist hörbar wie der Bläser Sha diesen neuen Raum gewinnbringend nutzt. Obwohl Ronin die rhythmischen und formalen Experimente mit motorischen Pulsen fortsetzt, stellt sich eindeutig ein Gefühl der „Ungezwungenheit“ ein.